Autor Thema: Bedrohtes Erbe  (Gelesen 7175 mal)

hawi

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Bedrohtes Erbe
« am: Juni 24, 2012, 15:52:27 »
Guter Artikel
Bedrohtes Erbe - Wie unbeständige Datenspeicher unsere Kultur gefährden
"Das «Domesday Book», ein 1085 von Wilhelm dem Eroberer in Auftrag gegebenes Reichsgrundbuch, kann in seiner sorgfältig klimatisierten Museumsvitrine in Kew noch heute bewundert werden, doch seine digitalisierte Version aus dem Jahre 1986 überdauerte nur zwei Jahrzehnte."

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #1 am: Juni 24, 2012, 16:20:25 »
Das kann sich ja wohl nur auf einen defekten Datenträger beziehen. Wird nicht näher erläutert leider. Man könnte den Spieß auch umdrehen und sagen, selbst die ältesten Speichertechnologien waren schon so weit, dass man sie nur alle ca 10 Jahre umkopieren hätte müssen.
Die Wissenschaftler versuchen, ihre falschen Theorien zu eliminieren, sie versuchen, diese an ihrer Stelle sterben zu lassen.
Der Glaubende dagegen - Tier oder Mensch - geht mit seinem falschen Glauben zugrunde.

Sir Karl Popper

Wildfoot

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #2 am: Juni 24, 2012, 17:09:26 »
Ein altbekanntes Problem in der IT. Nur frage ich mich, warum es denn so schwierig ist, einen dauerhaften Speicher zu bauen? Laser-Gravuren in Si-Wafern wären jedenfalls Jahrmillionen haltbar, und der Wafer selbst müsste dazu nichtmal besonders rein sein.

Gruss Wildfoot

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #3 am: Juni 24, 2012, 17:39:55 »
Ich nehme an, weil das einfach zu teuer ist im Vergleich zum regelmäßigen Kopieren?
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Sir Karl Popper

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #4 am: Juni 24, 2012, 18:45:26 »
wie viele Bücher aus der Zeit von 1085 sind erhalten, wie viele sind im Laufe der Zeit verloren gegangen?

dieses Problem hat es imho schon immer gegeben und wird es immer geben

Wildfoot

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #5 am: Juni 24, 2012, 20:26:12 »
Ich nehme an, weil das einfach zu teuer ist im Vergleich zum regelmäßigen Kopieren?

Für den Privat-Anwender sicherlich, wobei auch hier es nicht so sein müsste.

Aber für kulturell wichtige Daten sollte das in keinster Weise zu teuer sein. Denn, was braucht man schon grossartiges dazu:

- 1 Si-Wafer (6" ~ 20€, 8" ~ 30€)
- Resist 10-20€ pro Gallone (für einen 6" Wafer braucht man aber nur 2.5ml)
- Ätzchemie BOE 10-20€ pro Gallone
- Resist-Stripper 10-20€ pro Gallone

==> Laser-Lackbeschrifter (keine Ahnung wie teuer der sein würde)

Nicht zu vergessen wäre noch, wieviel MB denn so auf einen Wafer passen würde, wenn man mit einer Datendichte ähnlich einer CD rechnet.

Also möglich ist es, es muss einem eben nur auch etwas Wert sein. ;)

Gruss Wildfoot

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #6 am: Juni 24, 2012, 20:36:50 »
Ich weiß nicht, wo genau ich das mal gesehen/gelesen habe: aber die Dauerhaftigkeit der Speichermedien wird mit der Erhöhung der technischen Ausführung immer kurzlebiger.

Die ältesten Höhlenmalereien sind angeblich mehrere 10.000 Jahre alt. Steintafeln, in welche Texte eingraviert wurden, sind auch nach mehreren tausend Jahren noch so weit erhalten, dass man sie problemlos erkennen kann. Tontafeln hingegen waren technisch besser (weil man in weicherem Material ritzen konnte, was weniger anstrengend war und auch schneller ging), dafür sind sie bei weitem zerbrechlicher. Papyrus hält auch nur wenige tausend Jahre, Papier nur wenige hundert Jahre. Filme auf Zelluloidbasis können schon nach 100 Jahren so weit angegriffen sein, dass sie unbrauchbar sind.

Aber hat man sich schon gefragt, ob endlose Speicherung auch notwendig ist? Ich meine: wer von uns kann denn die alten ägyptischen Schriften (um ein Beispiel zu nennen) noch lesen? Und von denen, die das von sich behaupten: wie viele davon interpretieren das, was zu zu lesen gedenken, nur einfach falsch?

Lange Speicherung hat eben auch den Nachteil, dass man die Information irgendwann eh nicht mehr lesen bzw interpretieren kann. Von daher macht allzu lange Haltbarkeit auch keinen wirklichen Sinn in meinen Augen.

2 Jahrzehnte der Speicherung halte ich allerdings auch für übertrieben kurz. Erst recht für ein Medium, welches sich anschickt, der Menschheit etwas zu hinterlassen. Da dürfen es auch gerne einige hundert Jahre sein.

Aber ich denke auch, dass hier einfach nur das falsche Speichermedium gewählt wurde; vermutlich im besten Glauben, dass Festplatten die Daten wirklich dauerhaft speichern. Dass sie das nicht tun, ist für mich der Grund, meine wichtigsten Daten immer auf 2 verschiedenen Platten gespiegelt zu speichern und beide Sets etwa alle 1,5 bis 2 Jahre komplett umzukopieren.

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #7 am: Juni 24, 2012, 21:14:34 »
wie viele Bücher aus der Zeit von 1085 sind erhalten, wie viele sind im Laufe der Zeit verloren gegangen?
...
Nicht wirklich wesentliche Ergänzung ;) :1085 hat es noch keine Bücher im heutigen Sinn gegeben, war alles rein von Hand geschrieben. Und bei dem Wert haben sich wahrscheinlich überdurchschnittlich viele erhalten. Man denke nur an die vielen phantastischen Klosterbibliotheken mit all ihren Regalkilometern uralter Handschriften.
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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #8 am: Juni 24, 2012, 21:37:45 »
imho hat es auch damals Behörden (oder dergleichen) gegeben, die Aufzeichnungen gemacht haben, welche die Zeit nicht überdauerten ;)

holzi

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #9 am: Juni 25, 2012, 10:26:44 »
Man denke auch daran, dass sogar Originaldaten von den Mondlandungen der NASA teilweise verschwunden sind, teilweise zwar da, aber unbrauchbar wurden.
Die Schuld trifft aber eher unfähige Mitarbeiter - ein Datenarchiv gehört eben gepflegt...

Zitat
Ich meine: wer von uns kann denn die alten ägyptischen Schriften (um ein Beispiel zu nennen) noch lesen?

Ich. Allerdings nur bruchstückhaft. :)
Bei der intendierten Realisierung der linguistischen Simplifizierung des regionalen Idioms resultiert die Evidenz der Opportunität extrem apparent, den elaborierten und quantitativ opulenten Usus nicht assimilierter Xenologien konsequent zu eliminieren.
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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #10 am: Juni 25, 2012, 12:49:33 »
Ich. Allerdings nur bruchstückhaft. :)

Und wie oft, schätzt du, wird man mit der Interpretation falsch liegen? Braucht man ja nur mal gucken, wie oft falsch übersetzt wird von einer heute lebenden Fremdsprache in eine andere.

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #11 am: Juni 25, 2012, 14:25:37 »
Wenn man heute sagen kann, dass falsch übersetzt wurde, dann ja auf Grundlage einer zuverlässigen wissenschaftlichen Theorie basierend auf Beweisen. Diese sind möglich, da es häufig mehrere ganz unterschiedliche Quellen gibt, die man vergleichen kann. Und nicht alles historische Wissen beruht dann auf etwas Geschriebenem. Im Geschreibsel unterschiedlicher Seiten wird eine Schlacht erwähnt. Dann findet man eine passende Stelle und kann eventuell mit Hilfe der Fundstücke die Darstellung aller Seiten widerlegen und auch noch die Motive für die Falschdarstellung verstehen. Ein Beispiel, natürlich nicht der einzig mögliche Fall, aber kommt doch interessant oft vor.
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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #12 am: Juni 25, 2012, 15:36:42 »
Ich denke da noch viel, viel trivialer. Wie oft redet man aneinander vorbei, obwohl man die selbe Muttersprache spricht. Und das, obwohl man etwaige Missverständnisse noch leicht ausräumen könnte, da man sich ja noch mitten in der Unterhaltung befindet. Was macht man aber mit historischen Texten oder Daten, wo die Urheber gar nicht mehr greifbar sind? Kann man da noch nachfragen, wie eine bestimmte Formulierung gemeint ist?

Was ich damit sagen will: das physische Erhalten von Informationen ist nur die eine Seite der Medaille - das Verstehen des Inhalts dieser Informationen eben die andere.
 ;)

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #13 am: Juni 25, 2012, 21:32:03 »
Ganz abgesehen von den vielen Fällen, wo wegen Macht oder Geld ein "Fehler" ganz willkommen war, in der Übersetzung, beim Abschreiben oder sonstwo bei der Tradition von was Geschriebenem ;)
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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #14 am: Juni 25, 2012, 21:40:25 »
Nö, das klingt mir irgendwie schon zu viel nach Verschwörung ...  :D

Don Manuel

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Re: Bedrohtes Erbe
« Antwort #15 am: Juni 26, 2012, 10:32:35 »
War aber gang und gäbe solange Adel und Klerus das Monopol auf die Schreibkunst hatten. Ist keine Verschwörungstheorie sondern vielfach historisch genau belegt. Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinische_Schenkung
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