Autor Thema: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst  (Gelesen 1207 mal)

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Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« am: Februar 21, 2018, 08:24:13 »
Quelle: https://www.heise.de/ct/artikel/Das-Microsoft-Dilemma-Windows-10-und-Office-in-Behoerden-3970996.html

Nicht nur im öffentlichen Dienst, auch viele private Unternehmen gehen selbstverständlich davon aus, dass auf Einzelplatzrechnern fast ausschließlich Microsoft-Produkte laufen dürfen. Behörden sollen aber per Gesetz 'anders' agieren. Hier müssen ja mittlerweile öffentliche Ausschreibungen statt finden und man wundert sich, wieso bei solchen Ausschreibungen zwingend Produkte eines ganz bestimmten Herstellers gefordert werden. Vermutlich ist dieses Vorgehen rechtlich bedenklich und bezüglich der Datensicherheit zu hinterfragen. Zumal ja gerade Microsoft-Produkte als allgemeine Angriffsziele von Hackern gelten.

Die deutsche ARD hat zusammen mit c't eine diesbezügliche Dokumentation erstellt, die ziemlich aufschlussreich sein dürfte.

Interessant: das damalige Münchener Projekt LiMuX, wo versucht wurde, die dortige Verwaltung auf das freie Betriebssystem Linux umzustellen, soll ein großer Erfolg gewesen sein, aber die aktuelle Stadtregierung hat das jetzt wieder gekippt. Was zusätzliche Kosten im 3-stelligen Millionenbetrag verursacht hat.

Ich hab auch auch eine geteilte Meinung über Linux. An sich ja für einen Büro-Computer sehr gut geeignet und unterscheidet sich in der Handhabung kaum von einem Windows-Rechner. Und auch das freie Office-Paket steht dem 'Original' kaum wirklich nach. Und einem versierten Microsoft-Entwickler sollte es zumutbar sein, sich auch in Linux einzuarbeiten, sodass Eigenentwicklungen kaum höhere Personalkosten verursacht.

Echt unglaublich ...
 ::)

Don Manuel

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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #1 am: Februar 21, 2018, 11:49:58 »
Also mich hat bei den Bayern mehr gewundert, wie progressiv die da waren, wobei München nicht Bayern ist. War ja offensichtlich die temporär linke Regierung dort verantwortlich für diese Linux Episode. Habe beim konservativen Regierungswechsel fix damit gerechnet, dass es wieder gekippt wird. Für neoliberale Machthaberer ist Linux ein Feindbild, weil die Kohle im wesentlichen der Experte vor Ort macht und nicht eine Konzernzentrale.
Die Wissenschaftler versuchen, ihre falschen Theorien zu eliminieren, sie versuchen, diese an ihrer Stelle sterben zu lassen.
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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #2 am: Februar 21, 2018, 12:11:39 »
Da hast Du wohl recht, Don! Schade ist ja, dass sowas von den Untertanen nicht erkannt wird und daher kaum etwas dagegen unternommen wird.

Aber bezüglich Linux scheint mittlerweile ein klein wenig umgedacht zu werden. Bei uns in der Firma ist Linux die zweitwichtigste Plattform geworden, nach z/OS (was nach der Anzahl der Kunden zwar ein Schattendasein führt, aber von den Lizenzgebühren mehr als 40% des Umsatzes ausmacht)! Mittlerweile wird jetzt bei den z/OS Kunden immer offener über einen etwaigen Umstieg auf z/Linux geredet. Kostenmäßig wärs ein klarer Vorteil.

Don Manuel

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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #3 am: Februar 21, 2018, 20:31:56 »
Ich muss sagen, bei professionellen Groß-Installationen würde ich heute sogar weniger das Kostenargument in den Vordergrund stellen, d.h. für die Administration und Wartung durchaus kräftig budgetieren, sondern die unglaubliche Flexibilität und Transparenz des OS betonen. Auf server-Seite halte ich Windows-Server nur mehr für lustige bunte Disney experiences mit völlig undurchschaubarem inneren Aufbau. So etwas kann ich nicht vertrauen, und ich muss eine Vielzahl an Komponenten benutzen, die ich weder kenne, verstehe oder kontrollieren kann. Im Grunde ist es aber am Client auch nicht anders, auch dort ist das proprietäre OS in Weiten Teilen völlig intransparent, unkontrollierbar und eigentlich keines tieferen Vertrauens würdig.
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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #4 am: Februar 21, 2018, 21:55:02 »
Wie viel kennst Du Dich bei z/OS aus?
 ;)

Don Manuel

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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #5 am: Februar 22, 2018, 09:58:03 »
Nein, zu der handvoll Leute gehöre ich nicht ;) Ich hatte seinerzeit dafür das Vergnügen, wenigstens einige der OS/360 Leute hierzulande kennen zu lernen. Klar, bei den Kosten von IBM spielen die Lizenzen schon auch einen enorme Rolle.
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Re: Das Microsoft-Dilemma im öffentlichen Dienst
« Antwort #6 am: Februar 22, 2018, 12:33:40 »
Nicht nur das - etwas aus Datensicherheits-Sicht Besseres wird man kaum finden. Mainframe-Benutzer wissen in der Regel um die Vorteile des Systems ganz gut Bescheid.

Nur mit dem altbackenen Lizenzmodell - man zahlt ja hauptsächlich für den CPU-Verbrauch - ist es halt immer fragwürdiger geworden. Da ist ein z/Linux System eben deutlichst günstiger. Und da geht es um Millionenbeträge, die da pro IBM-Kunde eingespart werden können.