Autor Thema: Provider als Copyright-Polizei in den USA  (Gelesen 2157 mal)

Christoph

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Provider als Copyright-Polizei in den USA
« am: Juli 12, 2011, 20:32:48 »
Zitat
In den USA kam, nach langen und schwierigen Verhandlungen, ein Vertrag zwischen der Content-Industrie, vertreten durch die Recording Industry Association of America (RIAA) und die Motion Picture Association of America (MPAA), und den großen Providern des Landes zustande.
Wie schon berichtet, zogen sich die Verhandlungen über 2 Jahre hin, bis es nun zum Vetragsabschluss kam. Der Vertrag stellt die zweite Stufe des Versuchs der Inhaltsinhaber dar, ihren selbst verschuldeten Niedergang zu vergolden. Nachdem die Strategie, Filesharer bankrott zu klagen, nicht aufgegangen ist, versucht man es nun auf die sanfte Tour und macht die Provider zu den Bösen.
Der Vertrag sieht vor, dass die Provider des Filesharings verdächtige Kunden vier mal verwarnen, bevor es zu härteren Maßnahmen wie Drosselung der Bandbreite oder Sperrung bestimmter Seiten kommt. Das Ende der Fahnenstange ist die komplette Sperrung des Internet-Zugangs. Sollten die Provider untereinander Daten austauschen, kann man so unliebsame Kunden aus dem Internet bomben.
Sollte sich ein Kunde zu Unrecht beschuldigt fühlen, so kann er, sofern er Willens ist, dafür 35 US-Dollar zu bezahlen, die Vorwürfe von einer "unabhängigen Stelle" überprüfen lassen. Diese unabhängige Entität wird bestimmt vom Center for Copyright Information, einer Organisation, gegründet, um diesem Vertrag Geltung zu verleihen.
Hier wird immer noch die These vertreten, der Niedergang der Content-Industrie sei die Schuld der Filesharer und nicht der Schnarchnasigkeit der Musik- und Filmbranche, die zu lange zu einfach ihre Scheunen füllen konnten. So wird dann auch weiterhin auf der Website unglaubwürdiges Zahlenmaterial kolportiert. Demnach schädigt Filesharing die US-Wirtschaft jährlich um geschätzte 85 Milliarden US-Dollar, kostet 373.000 Jobs und verhindert 2,6 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen. Die Zahlen entstammen einem Report der ultrakonservativen Denkfabrik Institute for Policy Innovation, das unter anderem pro Tabakindustrie und gegen freie Software agiert.
Fragt sich noch, warum die Provider sich als böse Buben mißbrauchen lassen. Die Antwort ist recht einfach, wenn man weiß, dass einige der grossen Provider schon lange weg vom rein technischen Dienstleister, hin zum Anbieter von Inhalten unterwegs sind. So gehören den als Providern tätigen Time Warner und Comcast bereits TV- und Filmstudios.
Die Electronic Frontier Foundation hat sich kritisch mit dem Deal, der als Modell auch zu uns exportiert werden dürfte, auseinandergesetzt.
Quelle: http://www.pc-magazin.de/news/provider-als-copyright-polizei-in-den-usa-1158306.html
Liebe Grüße

Das ist der ganze Jammer:
Die Dummen sind sich so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel. (Bertrand Russel)